-       C h e c k l i s t e  PSM für Hilfeleistende –

 

C h e c k l i s t e  PSM (Professional Sexual Misconduct) für Hilfeleistende

 

Übersetzung der Checkliste PSM für Hilfeleistende von Estelle Disch

 

Haben Sie Schwierigkeiten mit einem Klienten?

Ziel dieser Checkliste ist es, Sie auf ein mögliches, grenzverletzendes Verhalten im Umgang mit Ihren Klienten[1]

 

aufmerksam zu machen. Es geht hierbei um unzulässiges Verhalten eines Hilfeleistenden. Probleme beim Überwachen und Handhaben Ihrer Grenzen sind nicht zu vereinbaren mit effektivem Arbeiten mit einem Klienten. Seien Sie bitte ins Besondere aufmerksam, sollte eine bestimmte Situation auch weiterhin bestehen bleiben, selbst wenn Sie schon probiert haben, die Situation zu verändern. Das Resultat der Checkliste beweist nichts. Sie dient lediglich der Evaluation. Sollte Ihnen das Resultat der durch Sie ausgefüllten Liste Sorgen bereiten in Bezug auf einen bestimmten Klienten, und würden Sie darüber gerne mit jemandem sprechen wollen, können Sie jeder Zeit Konakt mit uns aufnehmen. Wenn Sie ein paar Kreuze gesetzt haben sollten, könnte es wünschenswert sein darüber nachzudenken, das Resultat innerhalb Ihrer Intervisionsgruppe und/oder mit Ihrem Supervisor zu besprechen. Falls die Probleme nicht zu lösen sind, ist es vielleicht gut, den betreffenden Klienten an einen Kollegen zu verweisen.

Initialen oder Pseudonym des Klienten__________________________

  1.  Dieser Klient fühlt sich eher wie ein Freund an als wie ein Klient.
  2.  Ich erzähle dem Klienten oft von meinen persönlichen Problemen.
  3.  Ich werde durch diesen Klienten sexuell erregt.
  4.  Ich will nach Beendigung der Therapie eine Freundschaft mit diesem Klienten aufbauen.
  5.  Ich warte das Ende der Therapie ab, um eine sexuelle Beziehung mit diesem Klienten anzugehen.
  6.  Wenn ich ehrlich bin, muss ich zugeben, dass Umarmungen beim Abschiednehmen mit diesem Klienten zu lange dauern.  
  7.  Die Therapiestunden überziehe ich oft.
  8.  Ich akzeptiere kleine Geschenke und Gefälligkeiten dieses Klienten ohne nachzuforschen, warum ich das Geschenk bekam und warum gerade in dem bestimmten Moment.
  9.  Ich lasse mich durch diesen Klienten in Natura (Güter oder Dienstleistungen) bezahlen.
  10.  Ich habe sexuellen Kontakt mit diesem Klienten gehabt.
  11.  Manchmal wähle ich meine Kleidung in Hinblick auf diesen Klienten aus. 
  12.  Ich habe an beruflichen und sozialen Ereignissen teilgenommen, weil mir bewusst war, dass dieser Klient auch dort sein würde und habe das nicht erst mit ihr/ihm besprochen.  
  13.  Dieser Klient lädt mich oft zu gesellschaftliche Anlässen ein, und ich fühle mich nicht wohl dabei, dass ich ‘ja’ oder ‘nein’ sagen muss.
  14.  Manchmal sitzt dieser Klient/diese Klientin bei mir auf dem Schoß.
  15.  Wenn ich diesen Klienten während der Therapiestunde festhalte oder umarme, fühle ich manchmal, dass der Kontakt sexualisierend ist, durch einen von uns oder durch uns beide. 
  16.  Es gibt da etwas, weswegen ich gerne mit diesem Klienten alleine bin, es angenehm finde, wenn sonst niemand in der Praxis ist.
  17.  Ich schließe die Tür zu, wenn ich mit diesem Klienten arbeite.
  18.  Dieser Klient ist sehr verführerisch, und ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll.
  19.  Dieser Klient schuldet mir noch viel Geld und ich weiß nicht, wie ich das Problem  lösen kann.
  20.  Ich habe diesen Klienten zu einem öffentlichen/gesellschaftlichen Ereignis eingeladen.
  21.  Ich komme oft zu spät zur Therapiestunde mit diesem Klienten. 
  22.  Ich mache oft Spaß mit diesem Klienten, schmeichle ihm/ihr, necke sie/ihn auch regelmäßig.
  23.  Ich befinde mich selbst in einer ernsten, emotionalen Krise und identifiziere mich mit diesem Klienten und fühle ihren/seinen Schmerz. Dadurch kann ich diesen Klienten kaum gut begleiten.
  24.  Ich erlaube diesem Klienten, mich zu trösten. 
  25.  Ich habe das Gefühl, dass es viele Ähnlichkeiten zwischen diesem Klienten und mir gibt. 
  26.  Dieser Klient macht mir Angst.
  27.  Der Schmerz dieses Klienten geht so tief, dass ich es nur mit Mühe ertragen kann. 
  28.  Ich genieße es, mich mächtiger zu fühlen als dieser Klient.  
  29.  Ab und zu ist es mir alles zuviel mit diesem Klienten und ich habe das Gefühl, dass ich ihr/ihm nicht gerecht werden kann in bezug auf ihre/seine Behandlung. 
  30.  Ich fühle mich oft nicht im Stande objektiv zu sein mit diesem Klienten und kann dann nicht meine professionelle Rolle, so wie ich es tun sollte, gut erfüllen. Auch in der Supervision konnte dieses Problem nicht gelöst werden.
  31.  Ich fühle mich oft angegriffen oder unter Druck gesetzt durch diesen Klienten, und ich habe es bei diesem Klienten ziemlich schwer meine Stellung zu behaupten. Auch in der Supervision konnte ich das Problem nicht lösen.
  32.  Manchmal hasse ich den Klienten. 
  33.  Manchmal will ich diesen Klienten strafen oder kontrollieren. 
  34.  Ich bin zu besorgt in Bezug auf diesen Klienten.
  35.  Manchmal trinke ich zusammen mit diesem Klienten Alkohol oder wir nehmen zusammen Drogen.
  36.  Ich kontrolliere nicht regelmäßig, was der körperliche Kontakt, den ich mit diesem Klienten habe, für sie/ihn eigentlich bedeutet. 
  37.  Ich passe mich bei diesem Klienten an, aber werde später ärgerlich und fühle mich  manipuliert. 
  38.  Das Honorar, das ich nehme, ist nach meinem Gefühl zu niedrig/zu hoch für diesen Klienten.
  39.  Ich habe mit dem Klienten ausgemacht, dass sie/er einen niedrige Vergütung für meine Dienste bezahlen sollte, aber nun empfinde ich es so, dass sie/er mehr bezahlen sollte. Sie/er ist aber nicht im Stande, einen höheren Tarif zu bezahlen.  
  40.  Dieser Klient hat finanziell in meinen Betrieb investiert.
  41.  Ich habe finanzielle Mittel in den Betrieb dieses Klienten gesteckt.
  42.  Ich habe diesen Klienten angstellt, für mich zu arbeiten. 
  43.  Dieser Klient hat mich angstellt, um für sie/ihn zu arbeiten.
  44.  Ich finde es sehr schwierig, mit Menschen, die mir nahe stehen, nicht über den Klienten zu sprechen. 
  45.  Ich stelle fest, dass ich diesen Klienten viel von mir selbst sehen lasse, indem ich persönliche Erfahrungen mit ihr/ihm teile und wir Gespräche auf gleicher Ebene führen .
  46.  Wenn ich eine Liste machen würde von Menschen, mit denen ich mir vorstellen könnte eine sexuelle Beziehung einzugehen, stände dieser Klient auf meiner Liste.
  47.  Ich rufe diesen Klienten oft an und bemühe mich, mit ihr/ihm an einem Ort zusammenzutreffen, der für sie/ihn angenehm ist. 
  48.  Dieser Klient war bei mir zu Hause außerhalb der Praxis.
  49.  Ich tue soviel für diesen Klienten, dass ich mich erschöpft fühle.
  50.  Manchmal schreie ich den Klienten an.
  51.  Ich habe Angst davor, den Klienten zu sehen.
  52.  Ich langweile mich mit diesem Klienten und wünschte, dass sie/er ihre/seine Behandlung beenden würde.
  53.  Neben der professionellen Beziehung unterhalte ich mit diesem Klienten auch noch eine andere Form von Beziehung (z.B.: Student, Forschungsassistent, Praktikant, Arbeitnehmer, Familienmitglied, Freund, Freund eines Freundes etc.). 
  54.  Dieser Klient leidet soviel Schmerz, dass ich manchmal denke, es wäre besser für sie/ihn, tot zu sein.
  55.  Manchmal wünschte ich mir, dass dieser Klient tot wäre. 

Fügen Sie bitte persönliche Beispiele hinzu…

 

Dies ist eine Üebersetzung der orginalen Checkliste für Professionals “Are You In Trouble With A Client?” von Frau Estelle Disch, Ph.D.. Sie arbeitet unter anderem als ‘advocate’ (Englischer Term) für Opfer von PSM und setzt sich also für Klienten ein, die mit PSM tun tun haben/hatten. Mit Anmerkungen oder Fragen zu dieser Checkliste können Sie sich gerne wenden an: Estelle Disch, Ph.D., BASTA!, Boston Associates to Stop Treatment Abuse, 528 Franklin Street, Cambridge, MA 02139. Copyright © 1992. Die englische Originalversion können Sie mit dem folgenden Link abrufen: http://www.advocateweb.org/basta/introuble.htm[2]

 

© Uebersetzt durch: Misbruik door Hulpverleners (MdH), Dezember 2006.

 

 

 

www.misbruikdoorhulpverleners.nl



[1] Aus verschiedenen Studien geht hervor, dass ungefähr 90% der Opfer von PSM weiblich sind. Wenn wir in diesem Artikel vom ‘Klienten’ sprechen, meinen wir sowohl Frauen als auch Männer. Wir haben uns jedoch entschlossen, in den meisten Fällen nur vom ‘Klienten’ zu sprechen weil es den Text lesbarer macht.

[2] Estelle Disch hat auch eine Checkliste für Klienten zusammengestellt. Sie trägt den Titel “Is There Something Wrong or Questionable in Your Treatment?” (Disch, 1990 [1992]). Die Checkliste für Klienten hat sich als wertvolles Präventionsmittel erwiesen, für Klienten die noch rechtzeitig anklopfen, wenn noch „nur“ von „boundary crossings“ die Rede ist, und noch nicht von einer „boundary violation“ und das Schlimmste also noch verhindert werden kann. Immer öfter wenden sich Klienten an mit der Frage an uns, ob bestimmtes Verhalten und/oder bestimmte Bemerkungen von einem Hilfeleistenden wohl in Ordnung sind. Die Checkliste hilft ihnen dann zu sehen, dass Einiges schon nicht mehr o.k. ist.  Dadurch ist der Klient in die Lage versetzt, in einer entsprechenden Situation die wünschenswerten und notwendigen Schritte zu unternehmen.